"Voetbal against Krauts"Ganz Deutschland feiert »unsere Elf«. Ganz Deutschland? Nein. In der pfälzischen Provinz regt sich Widerstand: Die Rijkaard-Jugend hofft auf die Niederlande. von artur schock
Der Pressesprecher der Rijkaard-Jugend, Edwin van der Queich, gibt sich siegessicher: »Natürlich gewinnt Holland die WM!« Der niederländische Spieler Arjen Robben wisse schon, »wie er einem Michael Ballack angemessen beizukommen hat«. Genauso wie der ehemalige holländische Nationalspieler Frank Rijkaard gewusst habe, wie er Rudi Völler beizukommen hatte.
Seine Spuckattacke auf Völlers Dauerwelle bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien machte Rijkaard zum Namenspatron für die Rijkaard-Jugend. Es handelt sich dabei um eine Freizeitmannschaft aus dem pfälzischen Raum, die sich im Jahr 2003 gegründet hat und an Dorfmeisterschaften und Antifa-Turnieren teilnimmt. Als die Hobbykicker wegen eines anstehenden Turniers einen Namen für ihr Team suchten, war Völler gerade deutscher Nationaltrainer. Die Nation erlebte den »Rudi-Hype«. »Nicht zuletzt, um einigen Leuten aus der Szene kundzutun, dass auch im Fußball Deutschtümelei nicht angesagt ist«, sei die Rijkaard-Jugend gegründet worden, sagt van der Queich. Und die Provokation funktionierte. Bei einigen Dorfmeisterschaften kam es zu den »erhofften Reflexen«, manche Zuschauer empörten sich heftig über die fehlende nationale Solidarität mit Völler.
Das wiederum gefiel vielen Antifas, und so kam die Rijkaard-Jugend auf die Idee, T-Shirts mit orangefarbenem oder hellblauem Schriftzug und dem Konterfei des jungen Rijkaard herzustellen, die über die Homepage der Mannschaft vertrieben werden. Buttons, Pullover und Schals erweiterten das Sortiment.
Das Merchandising ist aber trotz des plötzlichen Erfolgs nicht zur Haupttätigkeit der Rijkaard-Jugend geworden. Noch immer steht Fußball im Mittelpunkt. Im März veranstaltete sie das erste eigene Hallenturnier unter dem Motto: »Voetbal against Krauts«...."
aus jungle world 20/2006
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